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Wir müssen über Jailbreaks reden

Denn es ist Zeit dafür. Leider ist damit keine positive, sondern eine negative Meldung verbunden. Nach der Einführung des iPhones im Jahr 2007 und den rund ein Jahr später startenden iOS App Store bildete sich schnell eine interessierte Jailbreak-Szene. Zunächst, um das ursprünglich fest an das Netz des US-Mobilfunkanbieters AT&T (und in Deutschland T-Mobile) gebundene Gerät auch für den Einsatz in anderen Ländern und Netzen freizuschalten – und später um Dritt-Apps auszuführen.

Vorgaben und Beschränkungen des Konzerns sorgten dafür, dass Cydia viele Jahre als interessante Alternative zum abgeschotteten App-Angebot des Herstellers diente – und zahlreiche Funktionen ermöglichte, die ursprünglich nicht möglich waren.

Aerial view of a prison courtyard with windows in grey tone in black and white in Thessaloniki
Photo by Toa Heftiba / Unsplash

Zu nennen sind die SBSettings Boss-Prefs, die dem erst viel später in iOS eingeführten Toggle für wichtige Settings wie Bluetooth oder WLan voraus gegangen waren. Oder eigene Themes. Und erst recht natürlich eigene Software, Hacks, alternative Apps etc. pp.

Früher lief ein Wettrennen zwischen sehr versierten Hackern, die mit jeder neuen iOS Version auch neue Lücken auftaten und leicht zu installierende Jailbreaks etablierten. thafaker.de war hier immer mit dabei und berichtete, veröffentlichte Anleitungen und HowTos und führte die Jailbeaks und Unlocks selber durch. Das war ein Spaß.

Inzwischen gibt es nur noch relativ selten öffentliche Jailbreaks, die zudem meist nur von sehr kurzer Dauer sind – bis Apple die dafür genutzten Sicherheitslücken wieder schließt. Für iOS 11 liegen bislang nur Video-Demonstrationen eines Jailbreaks vor, allgemein verfügbar ist dieser aber nicht. Die Entsperrung der Geräte ist längst zu einem extrem lukrativen Geschäft geworden, so dass die Sicherheitslücken meist wohl eher unter der Hand weiterverkauft werden. Auch Apple hat inzwischen ein Bug-Bounty-Programm aufgelegt, das für gefundene Schwachstellen entlohnen soll. Dies sorgt dafür, dass Cracker eher Geld mit den gefundenen Lücken verdienen, als die wie früher der Community zur Verfügung zu stellen.

Und jetzt? Jetz haben innerhalb von zwei Wochen zwei der größten Repositories, über die man im alternativen App Store Cydia Software laden und kaufen konnte, geschlossen. Das Cydia-Repository von ModMyi wurde archiviert und nimmt keine neue Software mehr an, wie der Betreiber mitteilte. Man habe den Dienst nach zehn Jahren eingestellt, da die Server-Kosten zu hoch sind, der damit erzielte Verdienst die Kosten für den weiteren Betrieb aber längst nicht mehr decken kann – und weit davon entfernt ist gar einen Gewinn abzuwerfen.

Nachdem letzte Woche bereits ZodTTD & MacCiti ohne Begründung Ihren Dienst einstellten, bleibt nun nur noch das große BigBoss Repository. Cydia, BigBoss und die Installation von Apps funktioniert weiterhin, auch die über die geschlossenen Dienste gekauften Apps lassen sich weiterhin laden und installieren - aber es wird keine neue Software mehr darüber vertrieben oder angenommen.

Das langsame Sterbe des Jailbreaks, es hat begonnen.