Und alle so: Gutjahr

Aktuell ist der Name Richard Gutjahr in aller Munde, zumindest wenn man dem immer währenden Gezänk zwischen neuen und alten (ich nenne sie extra nicht "etablierten") Medien folgt. Gutjahr ist Journalist und bricht zur Zeit seine Lanze als Blogger, trägt dies betont zur Schau und kämpft gegen seinen eigenen (quasi) Arbeitgeber (er ist Mitarbeiter der Chefredaktion des Bayerischen Fernsehens), in dem er ihm Langsamkeit und angestaubtes Verhalten in der Nutzung sowie generell im Hinblick auf neue "neue Medien" wie Twitter oder Facebook vorwirft.

Soweit so gut. Dieser Gutjahr war nun auch Teil der Podiumsdiskussion zum Auftakt des Medienforum NRW, welches unter anderem von XXX moderiert und mit WDR-Intendantin Monika Piel sowieRTL-Chefin Anke Schäferkordt und Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) ein paar diskussionswürdige Partner bereit hielt.

Gutjahr kritisiert die Rückständigkeit der ARD in Sachen Social Media am Beispiel Fukushima: "Es reicht uns bei Twitter anzumelden, wenn ein Reaktor explodiert!". Da muss man vorher schon sein."

Im weiteren Verlauf sagte Gutjahr etwas wie:

"Die Mächtigen in den Sendern und in den Verbänden, kommen mir so ein bisschen vor wie die Machthaber in den arabischen Ländern ",

Und das ist natürlich kein Niveau in meinen Augen. Ein Vergleich mit Machthabern wie Ghaddafi schießt weit über das Ziel hinaus und bringt keinerlei Punkte.

Aber andere Punkte der Diskussion finde ich noch fragwürdiger, so den Vergleich der Re:Publica mit einer faschistoide Vereiningung durch Herrn Doetz, der sich am Schluss der Diskussion aber dafür entschuldigte:

Doetz hält Twitter für einen schlechten Indikator: "Das Vorurteil lautet, dass jeder, der nicht bei Facebook ist, eigentlich nicht kommunikationsfähig ist. Organisationen wie Re:Publica halte ich fast für faschistoid, weil sie uns vorwerfen wollen, welchen Freiheitsbegriff wir anzuwenden haben."

Es gibt irgendwie ein Gesetz, es ist sowas wie Murphys Law oder Burkes Gesetz, das sagt aus: Wer in einer Diskussion als erster Rückschlüsse zum dritten Reich zieht, hat sofort und ausschließlich verloren. :-)

Ansonsten ist das ganze aber doch etwas lächerlich, von beiden Seiten und ich kann jetzt nicht unbedingt erkennen, wie die Bloggosphere oder der Beruf bloggender-Journalist da als Sieger heraus geht oder warum solch ein Hype gemacht wird.

Die Website WasMitMedien.de hat die gesamte Diskussion transkribiert und zum Nachlesen zur Verfügung gestellt.

Artikelfoto: Arabische Welt Beirut (C) photos.eisenbach.at

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