Repressalien gegen WikiLeaks [Update]

[Update #2] So langsam mehrt sich die differenzierte Berichterstattung zu Julian Assange. In der "Zeit" kann man z.B. lesen, dass die Vergewaltigungsvorwürfe selbst in Schweden umstritten sind:

Inzwischen zweifelt sogar eine Vereinigung junger feministischer Frauen innerhalb der Sozialdemokratischen Partei an der Ernsthaftigkeit der Anschuldigungen und der Professionalität der Staatsanwaltschaft. Das ist insofern bemerkenswert, weil Assanges vermeintliches Vergewaltigungsopfer aus den Reihen dieser Gruppe stammt.

Und in dem Artikel gibt es noch einige Schoten über die Staatsanwältin, die da als moderne Kreuzritterin des radikalen Feminismus dargestellt wird. Sie soll u.a. dafür ausgesprochen haben, in Fällen von Frauenmisshandlung auch beschuldigte aber nicht verurteilte Männer sicherheitshalber einzusperren. (via)

[Update #1]

[audio:http://picdump.thafaker.de/2010/12/dlf20101207191169321824.mp3|titles=dlf20101207191169321824] Ein kleiner Kommentar von Philip Banse auf DLF zu Julian Assange

Der deutsche Artikel über WikiLeaks ((WikiLeaks ist eine Internet-Plattform, auf der anonym Dokumente veröffentlicht werden können, bei denen ein öffentliches Interesse angenommen wird.)) fasst nicht nur die Plattform, deren Entstehung sowie die Akteure rundherum prima zusammen, sondern beschäftigt sich auch mit den neuerlich häufiger werdenden Repressalien gegen die sogenannte Whistleblower-Platform. Faszinierend, wie die große Industrie das Wasser abstellen kann, vielleicht.

DDoS-Attacke auf WikiLeaks

WikiLeaks war am 28. November 2010 nach eigenen Angaben Opfer einer Distributed Denial of Service-Attacke. Der Angriff erfolgte wenige Stunden vor der angekündigten Veröffentlichung geheimer Dokumente des US-amerikanischen Außenministeriums.

Sperrung der Amazon-Server

Für die Veröffentlichung einer großen Zahl von Dokumenten im November 2010 wich WikiLeaks nach den vorangegangenen DDoS-Attacken auf Server des Amazon Web Service aus. Diese Server wurden jedoch bereits nach wenigen Tagen für WikiLeaks gesperrt. Nach mehreren übereinstimmenden Medienberichten geschah dies auf öffentlichen Druck seitens des US-amerikanischen Senators Joe Lieberman, was von Amazon aber bestritten wurde. Der Grund der Sperrung sei vielmehr gewesen, dass WikiLeaks gegen die Geschäftsbestimmungen von Amazon verstoßen habe. So sähen die Geschäftsbedingungen von Amazons Web-Dienstleistungen vor, dass der Kunde die Rechte an den Inhalten halte und deren Einsatz niemandem Schaden zufüge. Es sei klar, dass WikiLeaks nicht über die Rechte an den vertraulichen Dokumenten verfüge, und bei der großen Zahl von 250 000 Dokumenten sei nicht gesichert, dass durch deren Veröffentlichung nicht Unschuldige wie etwa Menschenrechtler in Gefahr gerieten, argumentierte Amazon.

Als Reaktion auf die Sperrung erklärten zahlreiche Internet-Aktivisten und Mitglieder kriegskritischer Organisationen, wie zum Beispiel Daniel Ellsberg, ein bedeutender Whistleblower des Vietnamkriegs, spontan den Boykott und die Kündigung von Geschäftsbeziehungen zu Amazon.

Sperrung der Domain wikileaks.org

Am 3. Dezember 2010 entzog der kostenlose US-Dienstleister everydns.net WikiLeaks die Domain wikileaks.org und begründet diese Maßnahme mit „anhaltenden DDoS-Angriffen“ auf ihre Server, die die Stabilität ihres Dienstes für andere User gefährden würde. Vorübergehend war nur noch ein Zugriff über die Adresse http://46.59.1.2/ möglich. Am selben Tag teilte WikiLeaks über Twitter mit, dass sie über die Schweizer Domain wikileaks.ch erreichbar sei. Registriert hatte diese Domain die Piratenpartei Schweiz. Diese Verlinkung auf die Schweizer Website wikileaks.ch war rund zwei Stunden am Abend des 3. Dezembers 2010 ebenfalls nicht mehr über DNS-Auflösung erreichbar. Danach wurden mehrere Nameserver als Ersatz zur Verfügung gestellt. Die Internetadressen „wikileaks.de“ und „wikileaks.at“ sowie „wikileaks.eu“ waren weiterhin erreichbar.

Deaktivierung des Paypal-Kontos

Am 4. Dezember 2010 schaltete der zu Ebay gehörende Internet-Bezahldienst Paypal das Konto der Wau-Holland-Stiftung ab, über den WikiLeaks einen Teil seiner Spenden abwickelte, mit der Begründung, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen legten fest, dass Paypal nicht für die Ermutigung, Unterstützung, Vereinfachung, Förderung oder Anleitung Dritter zum illegalen Handeln genutzt werden dürfe.

Mastercard stellt Zahlungsverkehr ein

Am 6. Dezember 2010 gab ein Sprecher des US-Kredikartenunternehmens Mastercard bekannt, dass der Zahlungsverkehr mit WikiLeaks eingestellt wurde. Grund sei die Regel, wonach Kunden gesperrt würden, die „illegale Handlungen direkt oder indirekt unterstützen oder erleichtern“. Somit verbleiben nur VISA, eine Direktüberweisung auf ein Konto der Isländischen Landesbank, sowie postalische Anweisungen als Möglichkeit Spenden zugunsten WikiLeaks zu überweisen.

Kündigung des PostFinance-Kontos in der Schweiz

Am 6. Dezember 2010 kündigte die Schweizer PostFinance Julian Assanges Konto, über das WikiLeaks tätig war, mit der Begründung, Assange habe bei der Kontoeröffnung falsche Angaben zu seinem Wohnort gemacht. Assange habe als sein Domizil Genf angegeben, was sich bei einer Überprüfung jedoch als unwahr herausgestellt habe. Assange könne keinen Schweizer Wohnsitz nachweisen. Voraussetzung für ein Konto bei PostFinance ist ein Schweizer Domizil. Zusätzlich habe der Ständerat am 30. November 2010 eine Bestimmung in das Postgesetz aufgenommen, welche Postfinance Möglichkeiten verschaffe, Geschäftsbeziehungen aufzuheben, die „dem öffentlichen und dem sittlichen Empfinden“ zuwiderlaufen. Dieses Gesetz war aber zu dem Zeitpunkt vom Nationalrat noch nicht verabschiedet und somit nicht rechtskräftig.

(via)

Kommentare angetrieben durch Disqus

So viele Abonenten dieser Website können nicht irren:


Dinge und Sachen im Fuss

XStat.de