Der Fall Kachelmann - vorerst eine Wendung

Aufgrund dieser doch nicht zu erwartenden Wendung im Fall Kachelmann habe ich mal ein paar Online-Pressestimmen eingefangen und die jeweiligen Artikel verlinkt. Das positive Bild zieht sich durch alle Medien, wie mir scheint.

Lob für die Haftanstalt, Tadel für die Justiz

Wurde Kachelmann das Opfer übereifriger Staatsanwälte? Ein Strafrechtler glaubt, dass er wegens seines Promi-Status unfair behandelt wurde. [...] Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft schottet sich Wettermoderator Jörg Kachelmann von der Außenwelt ab. Von der JVA Mannheim, die er um 13.34 Uhr verlassen konnte, fuhr er mit seinem Anwalt direkt zu einem Hotel am Laacher See, wie die „Bild“-Zeitung berichtete. [...] Auch der Präsident des Verbandes deutscher Strafrechtsanwälte, Jürgen Möthrath, übt scharfe Kritik – allerdings am Verhalten der Justiz im Fall Kachelmann. Es gebe einen regelrechten Malus für Prominente, sagte er. „Es ist wahrscheinlich ein bisschen schön, wenn man einen Prominenten vorführen kann.“ Das Privatleben des Wettermoderators sei in einer Weise an die Öffentlichkeit gezerrt worden, wie es bei normalen Sexualstraftätern nie der Fall gewesen wäre. [WELT ONLINE]

Lügen-Haft?

Das OLG Karlsruhe hat eine Fortdauer der Untersuchungshaft des Wettermoderators Jörg Kachelmann abgelehnt. Was aber sind die Maßstäbe für die Beantwortung der zentralen Frage nach der Glaubhaftigkeit der Angaben jener Opferzeugin, die Sabine W. genannt wird? Prof. Dr. Matthias Jahn zeigt, dass die Juristen hier viel von der Aussagepsychologie gelernt haben. [Legal Tribune Online]

Kachelmann vorerst frei

Ein „hinreichender“ ist noch kein „dringender“ Tatverdacht - auf diesen rechtlichen Unterschied hat das Oberlandesgericht Karlsruhe am Donnerstag hingewiesen, als es anordnete, den Meteorologen Jörg Kachelmann aus der Haft zu entlassen. Es geht bei diesem Unterschied um die Frage, ob jemand, dem eine Tat zur Last gelegt wird, „wahrscheinlich“ oder mit „großer Wahrscheinlichkeit“ auch der Täter ist. Der 52 Jahre alte Schweizer, der am frühen Donnerstagnachmittag die Justizvollzugsanstalt Mannheim verließ und zum Abschied einen Beamten umarmte, ist für das Landgericht Mannheim weiterhin wahrscheinlich ein Vergewaltiger - der Entscheidung des Oberlandesgerichts zufolge aber nicht mehr mit großer Wahrscheinlichkeit. [FAZ]