Rechtsanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth ist tot

Mit dieser Meldung geht wahrscheinlich eine der umstrittensten Personen der Netzwelt in die Analen der Geschichte ein. Wie Golem.de berichtet, nahm sich von Gravenreuth am 22.02.2010 das Leben. Der wegen versuchten Betruges rechtskräftig verurteilte Jurist sollte im Februar 2010 eine Haftstrafe von 14 Monaten antreten. In der Nacht zum 22. Februar 2010 erschoss sich Gravenreuth. Die Website der Anwaltskanzlei ist nicht mehr erreichbar.

The Jurist (L’Avvocato)

Gravenreuth lernte bis 1966 den Beruf des Technischen Zeichners, absolvierte anschließend an der FH München 1973 ein Maschinenbau-Studium als Diplom-Ingenieur (FH) und von 1973 bis 1978 an der LMU München ein Studium in Rechtswissenschaften. Dabei wurde er Mitglied in der K.B.St.V. Rhaetia München. Nebenher machte er damals eine erste EDV-Ausbildung, wobei er eine Cyber 175 mit COBOL-Programmen, in Lochkarten gestanzt, instruierte. Als Rechtsreferendar war er beim Bundespatentgericht, in einer Markenkammer des LG München I sowie in einer auf Patente spezialisierten Kanzlei tätig. Ab 1981 war er als Anwalt zugelassen und war zunächst bei einer Patent- und Rechtsanwaltskanzlei in München und dann bei einer Freisinger Patent- und Rechtsanwaltskanzlei tätig. Ab 1985 war er selbständig, seit 1987 mit eigener Kanzlei. Seine Tätigkeitsschwerpunkte lagen im Bereich EDV-Recht, Internet-Recht, Urheberrecht und Gewerblicher Rechtsschutz.

Der 61-jährige Rechtsanwalt hätte in den nächsten Tagen eine 14-monatige Haftstrafe antreten müssen, da er im September 2008 vom Landgericht Berlin wegen Betrugs zum Nachteil der Berliner Tageszeitung taz verurteilt worden war (golem.de).

In der IT-Szene und unter anderen Juristen hatte Gravenreuth vehemente Kritiker, die sich mit ihm zum Teil erbitterte Streitgespräche in den verschiedensten Diskussionsforen lieferten. In einem der bekanntesten deutschen Foren, dem Heise-Forum, wurde ihm „virtuelles Hausverbot“ erteilt und er durfte nach Unterzeichnung einer entsprechenden Unterlassungserklärung dort keine Beiträge mehr verfassen. Die Widerklage in diesem Prozess, in der es um die Verlinkung privaten Bildmaterials ging, verlor Heise vor dem OLG München (de.wikipedia.org).

Am 10. September 2007 wurde Günter von Gravenreuth wegen versuchten Betrugs zu einer Haftstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil erfolgte, nachdem er den Internet-Domainnamen der taz pfänden ließ und versuchte diesen zu versteigern, wobei er angab, er hätte nach einer einstweiligen Verfügung gegen die taz das darin geforderte Geld nicht erhalten. Die taz erstatte daraufhin Strafanzeige. Die Zahlung des in der Verfügung verlangten Geldes konnte durch ein Fax bewiesen werden, welches bei einer Durchsuchung in Gravenreuths Büro gefunden wurde. Dieses Fax war Gravenreuth nach seiner Aussage nicht bekannt und er versuchte sich mit „mangelnder Rechtskenntnis“ und dem „Chaos in seinem Büro“ zu entschuldigen. Die Vorsitzende äußerte in ihrem Urteil, dass „die Allgemeinheit vor Gravenreuth geschützt“ werden müsse. Durch ein vorangegangenes Urteil wegen Urkundenfälschung fiel das Urteil ohne Bewährung aus. Gravenreuth legte Berufung ein. Am 17. September 2008 wurde Gravenreuth in diesem Verfahren zu einer Haftstrafe von 14 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil lautete auf versuchten Betrug, die Vorstrafe im Verfahren vom 16. April 2008 wegen Untreue floss in die Strafbemessung mit ein. Der Anwalt von Gravenreuth legte gegen das Urteil Revision ein. Die Generalstaatsanwaltschaft München leitete ein anwaltsgerichtliches Verfahren gegen Gravenreuth ein (de.wikipedia.org).

Auch ich hatte bereits zwei Mal mit der Anwaltskanzlei Gravenreuth zu schaffen, einmal wegen seinem Recht am eigenen Bild welches in einem Artikel auf meiner Website gebloggt worden ist (welches allerdings öffentlich aufgenommen (bei einer Podiumsdiskussion in einer Universität) wurde und deshalb Persönlichkeitsrechte fraglich waren), und zum Zweiten wegen der Nennung einiger Links und Verweise auf andere Webseiten die kritisch über ihn berichteten. Bei letzterem verlangte man die Herausgabe diverser Quellen, welchem ich aber nicht nachkommen konnte. Ich löschte nach Aufforderung durch ihn sofort die Artikel und hatte natürlich im Nachhinein keine Quellen mehr, was ich glaubhaft versichern konnte. Beide Male konnte ich so argumentieren, dass es zu keinen weiteren gerichtlichen Aktionen kam.

Quellen

  • de.wikipedia.org (http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Freiherr_von_Gravenreuth)
  • www.golem.de (http://www.golem.de/1002/73296.html)
  • www.heise.de (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Rechtsanwalt-von-Gravenreuth-ist-tot-936776.html)
  • www.pcwelt.de (http://www.pcwelt.de/start/dsl_voip/online/news/2339242/abmahn-anwalt-guenter-freiherr-von-gravenreuth-ist-tot/)
  • www.chip.de (http://www.chip.de/news/Anwalt-von-Gravenreuth-nimmt-sich-das-Leben_41639347.html)
  • www.gulli.com (http://www.gulli.com/news/selbstmord-g-nter-freiherr-von-gravenreuth-ist-tot-2010-02-22)