Heros-Pleite bedroht Bargeldverkehr

Es ist ein Riesen-Betrugsskandal, und er hat Folgen, die jeder zu spüren bekommen könnte: 300 Millionen Euro Kundengelder sollen Mitarbeiter des größten deutschen Geldtransport-Unternehmens Heros unterschlagen haben. Das Unternehmen ist zusammengebrochen, meldete gestern Insolvenz an. Und weil es einen Marktanteil von über 50 Prozent hat, könnte demnächst an Automaten und in Geschäften das Bargeld knapp werden.

Kundengelder für private Zwecke
Das Chaos haben letztlich nach Vermutung der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach vier Heros-Mitarbeiter ausgelöst - durch einen Betrugsskandal, der seinesgleichen sucht. Bei der Heros-Tochtergesellschaft Nordcash-Geldbearbeitung im niederrheinischen Viersen sollen die Mitarbeiter Kundengelder für private Zwecke entnommen haben. Aber nicht nur das. So sollen "in ganz erheblichem Umfang Kundengelder zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes entnommen worden sein".

Rund 300 Millionen Euro fehlen
Eine Art Schneeballsystem: Eingehende Gelder wurden dazu genutzt, anstehende Lieferungen zu bestücken. "Nach ersten Ergebnissen beläuft sich der tatsächliche Schaden auf rund 300 Mio. Euro", teilte das Landeskriminalamt Düsseldorf mit. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde gegen vier "maßgeblich tatbeteiligte Personen" Haftbefehl erlassen. Bereits am Freitag hatten die Fahnder mehr als 25 Objekte der Heros-Gruppe, aber auch Privatwohnungen durchsucht.

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Insolvenzantrag für sämtliche 23 Tochtergesellschaften
Der Konzern hat in Folge nach Angaben des Amtsgerichts Hannover für sämtliche 23 Tochtergesellschaften Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind fast 4000 Mitarbeiter. Heros hatte allein im letzten Quartal 2005 mehrere Konkurrenzfirmen aufgekauft, darunter auch die Securitas Geld- und Wertdienste GmbH mit 1700 Beschäftigten. Das Unternehmen hatte während der Euro-Einführung als Auslieferer der neuen Geldscheine und -münzen Bekanntheit erlangt.

Rund 600 Millionen Euro jeden Tag geliefert
Heros und die 23 Tochtergesellschaften haben sowohl Banken als auch Geschäfte mit Bargeld versorgt. Rund 600 Millionen Euro haben die Geldtransporter jeden Tag geliefert. Diese Transporte fallen nun erst einmal aus, weil Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln. Das werde "zwangsläufig auch Auswirkungen auf die Bargeldver- und Entsorgung haben", teile die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) mit.

Auch große Handelskonzerne betroffen
Wie knapp die Geldversorgung tatsächlich wird, ist noch unklar. Betroffen sind auch große Handelskonzerne wie Karstadt und die Metro-Gruppe (Kaufhof, real und andere). Bei Metro gibt es Notfallpläne, damit das Geld nicht in den Filialen liegen bleibt. Die Gruppe hatte bereits am Freitag die Zusammenarbeit mit Heros beendet. Karstadt-Sprecher Jörg Howe räumte ein: "Es sieht so aus, als wären wir auch betroffen." Wie hoch der Schaden sei, könne man aber noch nicht sagen.

Banken sind alarmiert
Auch die Banken sind alarmiert. Nach Angaben des Sparkassen- und Giroverbandes sind rund 60 Sparkassen als Heros-Kunden betroffen. Die Bargeldversorgung sei aber sichergestellt. Ein Commerzbank -Sprecher sagte: "Realistischerweise kann es passieren, dass ein Geldautomat mal nicht befüllt ist." Beim Marktführer Deutsche Bank hieß es hingegen, es herrsche "Business as usual. Wir haben keine Einschränkung der Bargeldversorgung - und bisher keinen Hinweis, dass sich das ändert." Die Bundesbank hatte gestern ihre Filialen angewiesen, ihre Öffnungszeiten notfalls zu verlängern, um Banken und Geschäfte mit Bargeld versorgen zu können.

Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst
Ob Automaten und Geschäfte jetzt mit Bargeld versorgt sind, hängt auch davon ab, wie schnell die Betroffenen reagieren. "Jetzt herrscht das Prinzip: ,Wer zuerst kommt, mahlt zuerst‘", sagte Jörg Echternach, stellvertretender Vorsitzender des Branchenverbandes BDGW, der FTD. Im Ruhrgebiet gebe es zum Beispiel viele Geldtransporteure. "In Hintertupfingen kann es dagegen durchaus mal zwei Tage leere Automaten geben. Spätestens am Freitag werden wir wohl wieder eine mehr oder weniger normale Versorgung haben."

Bundesbank warnt vor Panikmache
Nach Angaben der Bundesbank besteht "überhaupt kein Grund zur Panik". Engpässe seien nicht zu befürchten. "Die Verbraucher müssen keineswegs schnell zur Bank", sagte ein Bundesbank-Sprecher am Dienstag in Frankfurt. "Die Automaten sind gut gefüllt, das Bargeld ist nicht auf einen Schlag weg."

(thanx to Cosmo für den Hinweis)

Quelle: T-Online Wirtschaft

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