Clockwork Orange

Kubrick's Qualitäten als Filmemacher sind hinreichend bekannt und benötigen eigentlich keines weiteren Kommentars mehr. Ich entwickle schon eine Art Kitsch-Gefühl in mir, wenn ich auch noch über einen seiner Filme etwas qualitatives aussage. Es ist schon fast peinlich, daß dieser Mann nicht wenigstens einen! zweitklassigen Film hinterließ.
So wie auch seine anderen Filme, ist auch dieser eine Art Gesamtkunstwerk, bezogen auf Regie, Schnitt, Musik, Darstellung, Drehbuch, etc. Aber das alleine macht die Besonderheit seiner Filme nicht aus, denn gute Regiseure, die ihr Handwerk verstehen, gab und gibt es zahlreich. Kubrick's Filme sind allesamt irgendwie ungewöhnlich - sehr grob gesagt: eine Mixtur aus Realismus und Mystizismus. Seine Filme haben alle etwas "langsames", "ruhiges" "Detailbetontes" und dennoch kommt nie wirkliche Langeweile auf, da man als Zuschauer nie vorhersagen kann, wie es weitergeht. Diese Spannungen erhält Kubrick in seinen Filmen bis zum Schluß aufrecht.

Im Film "Clockwerk Orange" ist es nicht anders.
Mich beeindruckte an diesem Film besonders, daß er in mir sehr ambivalente Gefühle erzeugte. Der Zuschauer wird sofort angewidert, durch die Brutalität des Protagonisten Alex. Dies wird fast bis zum Unerträglichen gesteigert. Alles scheint klar: der Böse ist sofort erkannt - man wünscht sich einen Rächer herbei der ihn! mal spüren läßt, wie sich Gewat anfühlt. Dies geschieht dann auch, aber anders als man ahnt. Der Zuschauer wird nun mit einer anderen Macht die Gewalt anwendet konfrontiert - nämlich der staatlichen. Hier finden sich im Film ebenfalls Gewalt anwendende Menschen (zum Schluß werden Alex' ehemalige Kumpel gezeigt, die nun, staatlich sanktioniert, auf diese Weise Gewalt anwenden können). Der bisherige Täter findet sich selbst nun dieser Macht gegenüber schutzlos ausgeliefert. Der Staat rächt sich im Film an seinem "entgleisten" Mitglied, indem er ihn einsperrt, züchtigt, anderen Kriminellen aussetzt und letztendlich Experimente mit ihm veranstaltet. Mit dieser Art rachenehmender Gewalt, will sich der Zuschauer denn auch nicht identifizieren. Somit bleiben zuletzt beim Zuschauer ungute Gefühle übrig, angesichts einer trostlos erscheinenden Welt, in der man nicht mit simplen Maßstäben urteilen kann.